der erste Monat

Donnerstag, 19.09.2013

Jetzt bin ich genau einen Monat hier – die Zeit ist wirklich schnell vergangen. Auch wenn ich mittlerweile die Abläufe kenne, lerne ich doch ständig neue Dinge kennen.

Letzte Woche war ich kaum bei den Kindern in der Creche. Ich habe Berge von Kleiderspenden für den Charity Shop sortiert und aufgeräumt. Montags war wieder Clinic Day – der erste im Monat und deshalb auch der vollere. Ich beschreibe einfach mal, wie das abläuft: Freitags werden die Medikamente beim Krankenhaus abgeholt – in den allermeisten Fällen ARVs, also HIV-Medikamente. Dann werden sie in der Datenbank registriert und anhand ihrer Nummer in eine Kiste einsortiert. Wir holen Medikamente für ca. 700 Menschen, die natürlich nicht jeden Montag kommen, sondern nur alle vier Wochen. Die Patienten bekommen Blutdruck und –zucker gemessen, sie werden gewogen (das habe ich gemacht) und wir geben anhand der Nummern auf den Klinikkarten die Medikamente aus, was noch mal in der Datenbank überprüft werden muss. Die Leute können sich außerdem von Krankenschwestern beraten lassen. Das ist immer ziemlich viel Arbeit und klappt nur, wenn wirklich alle mithelfen.

Dienstags durfte ich das erste Mal bei einem HIV-Test dabei sein. Wir wurden von einem Unternehmen angefragt, das Touren in den Bergen anbietet. Die hatten einen für ihre Mitarbeiter einen Tag Teambuilding angesetzt. Erst hat Sthabiso (einer vom Isibaniteam) einen kurzen Vortrag über HIV und die Vorteile eines frühen Tests gehalten. Danach konnten sich die Mitarbeiter Blutdruck und –zucker messen lassen. Ich sollte dabei die Karten ausfüllen, war aber keine große Hilfe, weil man mir jeden Zulu-Namen buchstabieren musste und ich dann in der Hektik immer mit dem englischen Alphabet durcheinander kam. Anschließend konnten sich die Leute freiwillig testen lassen, was wohl die meisten auch gemacht haben. So ein Test läuft sehr einfach ab: Man muss einen Tropfen Blut auf einen Teststreifen geben, dazu kommt ein Tropfen Lösungsmittel und nach kurzer Zeit kann man das Ergebnis ablesen. Der Test, bei dem ich dabei war, war zum Glück negativ und der Mann hat gleich ein Foto davon seiner Freundin geschickt.

Das Wochenende war auch ziemlich spannend. Wir haben uns kurzfristig entschieden, einen Ausflug nach Ladysmith zu machen, was so die nächste Stadt ist. Wie kommt man ohne Auto irgendwohin? Genau, mit dem Taxi. Dazu muss man ein paar Dinge wissen: Ein Taxi in Südafrika ist ein Minibus, der oft fast auseinander fällt. Man steigt ein und wartet, bis es voll ist. Wenn noch Platz ist, werden Leute auf der Strecke mitgenommen und man sagt, wo man aussteigen möchte. Die einstündige Fahrt nach Ladysmith kostet R20, also ca. 2€. Ach ja, ich habe noch keinen weißen Südafrikaner getroffen, der schon mal mit einem Taxi gefahren ist – wir waren wieder mal eine Attraktion. Wir sind also zu dem Taxistand in Winterton gegangen, haben gefragt, wo wir hinmüssen und ein netter Fahrer hat uns gleich das richtige Taxi gezeigt. Die Fahrt verlief ohne Probleme und war eine sehr afrikanische Erfahrung. Das liegt an der tollen Landschaft, die aussieht wie bei König der Löwen, der lauten Musik und den mitfahrenden Zulus, die sich lautstark unterhalten oder mitsingen. In Ladysmith angekommen, sind wir erst mal durch verschiedene Geschäfte gegangen und haben uns alles angesehen. Die Stadt hat keine besonderen Sehenswürdigkeiten, lediglich eine Einkaufspassage und eine Mall. Ehrlich gesagt, war es schon ganz schön, mal Zulus zu sehen, die besser gekleidet waren und in teurere Geschäfte gingen. Das klingt jetzt vielleicht hart, aber in Winterton ist es eben so, dass als Nachwirkung der Apartheid in dieser ländlichen Gegend die meisten Zulus eher arm sind. In den Städten hat sich das schon viel stärker vermischt und man sieht auch Weiße, die betteln. Als wir zurückwollten, haben wir eine etwas weniger schöne Erfahrung gemacht. Leider fuhr das Taxi gerade los als wir kamen und so mussten wir eine Stunde warten. Natürlich wurden wir von den Typen, die dort auch waren, angesprochen. Einige waren höflich, aber andere schon ziemlich unangenehm. Es ist keine schöne Erfahrung, wenn dir jemand sein Handy vor die Nase hält, deine Nummer haben will und auf dein „No“ mit „But I love you“ antwortet… Mir ist es auf jeden Fall lieber, wenn wir nur angehupt werden.

Sonntags waren wir dann zum ersten Mal wandern. Wir sind einen sehr schönen Weg durch den Wald bis zu einem kleinen Wasserfall gegangen. Dann ein Stück nach oben, sodass wir über dem Wald herauskamen und einen tollen Blick auf die Berge hatten. Abends mussten wir dann zum Place of Safety und auf die Kinder aufpassen, bis die Hausmama zurückkam. Das ist wirklich kein leichter Job und ich bewundere sie, dass sie das rund um die Uhr durchzieht. Wieder zu Hause haben wir dann noch Wäsche gewaschen – Socken von Hand. Mittlerweile haben wir auch eine Wäscheleine und müssen die Sachen nicht mehr bei uns in der Wohnung aufhängen.

Ansonsten lerne ich immer mal wieder ein Wort auf Zulu oder ein Stück Kultur kennen. Außerdem wird man hier viel mehr mit Religion und Glaubensfragen konfrontiert. Viele wirken wie Missionare aus früheren Zeiten, die den richtigen Glauben lehren möchten. Auch bei Isibani gibt es zweimal in der Woche Bible Studies, wo über eine Bibelstelle gesprochen wird. Manche Leute können einem Stoff zum Nachdenken geben, aber bei den meisten stehen mir die Haare zu Berge. Ich finde es z.B. befremdlich, wenn jemand behauptet, Zulus sollen aufhören zu ihren Ahnen zu beten und im Prinzip ihre Kultur aufgeben, sonst würde Gott ihre Gebete nicht erhören. Naja.

Es bleibt auf jeden Fall weiter spannend und ich versuche, weiterhin regelmäßig zu schreiben.